Am 1. August 1933 wurde der Antifaschist und Jungkommunist Bruno Schilter im SA-Keller „Keglerheim“ (heute Petersburger Straße 94) schwer misshandelt und anschließend an der „Schwarzen Brücke“ (Thaerstraße) mit fünf Kopfschüssen ermordet. Zum 90ten Jahrestag seiner Ermordung wollen wir Bruno Schilter am Ort seiner Misshandlung gedenken. Im Anschluss wollen wir auch vor der Richard-Sorge-Straße 16, wo Schilter wohnte, Blumen niederlegen. So wollen wir als Stadtteilgruppen, die bereits in der Vergangenheit gedenkpolitische Veranstaltungen organisierten, verhindern, dass ein Antifaschist, der für seinen Kampf gegen den NS ermordet wurde, vergessen bleibt.

Mit dem Gedenken wollen wir auch auf eine Gegenwart aufmerksam machen, in der rechte und rechtsoffene Läden und Räume eine Bedrohung für Antifaschist*innen und alle Menschen sind, die nicht in das rechte Weltbild passen. Auch in Friedrichshain und Umgebung kommt es immer wieder zu rassistischen, queer- und frauenfeindlichen sowie antisemitischen Vorfällen. Wir wollen aber auf der Kundgebung auch an den jahrelangen antifaschistischen Widerstand erinnern, der beispielsweise dafür sorgte, dass ein rechtsoffener Thor-Steinar-Laden nahe dem Ort, an dem Bruno Schilter misshandelt wurde, nach kurzer Zeit schließen musste.

Erinnern heißt Kämpfen!

Kundgebung: 1. August 2023, 18 Uhr,

Petersburger Str. 94, (nahe Besarinplatz) 10247 Berlin,

Stadtteilinitativen:
Wir bleiben alle Friedrichshain
und „Wem gehört der Laskerkiez?

Kundgebung: Samstag 29.07.23 – 15:30 Uhr – Corinthstraße 50, 10245 Berlin

Ende Juni ist es passiert: Das Herzstück der Kreuzung Corinthstraße/Bödikerstraße hat eine wichtige Kiezinstitution verloren. Der Postspäti „Filmfreund“, seit 15 Jahren u.A. von der Betreiberin Franziska geführt, musste aufgrund einer Kündigung des Eigentümers Dr. Friedrich G. Hoepfner und seiner „Helmut Greuel e.K. Hausverwaltung“ die Türen schließen. Was dort passieren soll? Niemand weiß es und auch Hoepfner und seine Hausverwaltung bleiben dem Kiez eine Antwort schuldig.

Diese traurige und für den Kiez fatale Entwicklung reiht sich ein in eine massive Gentrifizierungswelle der die Nachbar*innen des gesamten Laskerkiez seit über 2 Jahren ausgesetzt sind. Investor*innen, Unternehmen und andere Reiche entdecken den kleinen Südzipfel Friedrichshains als ihr persönliches El Dorado. Luxusbüros werden an jeder Ecke aus dem Boden gestampft, Wohnungen werden modernisiert, exorbitant teure Studierendenappartments errichtet. Viele Nachbar*innen müssen aufgrund dieser Tatsache den Kiez verlassen oder können es sich kaum noch leisten hier zu wohnen. Die Politik scheint diesen Entwicklungen gegenüber machtlos.

Der Postspäti war in all den Jahren seines Bestehens ein wichtiger Anlaufpunkt für die Nachbar*innen. Hier konnte Post abgegeben, abgeholt werden. Darüber hinaus gab es nette Gespräche und einen Treffpunkt für die Nachbarschaft. Hier haben sich Menschen kennengelernt und sich ausgetauscht. Am Ende des Tages genossen hier viele Menschen ihr wohlverdientes Feierabendgetränk. Nun nach der Schließung bietet sich auf der Kreuzung ein trauriges Bild: Sie wirkt unbelebt. Wo vorher noch das Leben in unserem Kiez pulsierte, kann nun niemand mehr sitzen und Zeit verbringen. Wir als Laskerkiez-Initiative haben uns mehrmals an den Eigentümer gewandt mit der Bitte um ein Gespräch. Herr Hoepfner besitzt nicht nur in Berlin mehrere Immobilien, sondern auch in Karlsruhe. Ohne Zweifel ist eine Institution wie der Postspäti nur ein winziger Teil seines umfangreichen Immobilienportfolios. Umso fataler, dass er uns nun ein wichtiges Stück Kiez weggenommen hat. Wir kennen einen Menschen, der den Postspäti gerne übernehmen und weiterführen möchte. Er würde sogar das Post- und Paketsortiment weiter ausbauen und mit DHL, UPS, PIN etc. erweitern. Somit wäre allen geholfen, da das Geschäft auch weiterhin boomen wird. Doch Herr Höpfner verweigert sämtliche Antworten und Gespräche. Deshalb möchten wir euch am Samstag den 29. Juli zu einer Kundgebung vor den Poststpäti einladen. Wir möchten dort abermals der Öffentlichkeit, Herrn Hoepfner und auch seiner Hausverwaltung zeigen, was der Postspäti für uns bedeutet und ihn herzlichst darum bitte sich auf Gespräche mit uns/dem potentiell zukünftigen Betreiber einzulassen. Es soll zu seinem Schaden nicht sein.

Kommt zur Kundgebung, wir fordern alle zusammen „Wir wollen unseren Postspäti zurück!“

Der Kiez ist was wir draus machen, das hier ist unsere Nachbarschaft und der Postspäti gehört dazu!

Euer Neubau ist unser Albtraum! Rettet unsere Häuser!

Kundgebung gegen die „The Fizz“ Luxus-Studierendenappartments von International Campus

03. Juni 23 – 14:00 Uhr Markgrafendamm 7-10, 10245 Berlin

(S-Bahn Ostkreuz / S-Bahn Treptower Park)

Ausgangslage

  • Am Markgrafendamm 7-10 im Laskerkiez, Friedrichshain entsteht das Studentenwohnheim THE FIZZ. International Campus (IC), „führender Entwickler und Betreiber von Konzepten für studentisches und urbanes Wohnen in Europa“, ist Eigentümer und baut seit Anfang 2022 auf der Fläche im Kiez.

  • THE FIZZ ist eine Marke von International Campus. Die möblierten Apartments werden temporär an Studierende zu einem Pauschalpreis vermietet. Dadurch werden sämtliche Mieter:innen-Schutzmaßnahmen wie die Mietpreisbremse umgangen und der Mietenspiegel im Kiez weiter in die Höhe getrieben.

  • Im THE FIZZ Köpenicker Straße, Kreuzberg kostet ein 20qm Apartment beispielsweise aktuell 1.075 Euro. Das ist keine Lösung für den Wohnraummangel in unserer Stadt oder anderswo – das ist Abzocke!

Markgrafendamm

  • Umgeben ist die Baugrube von bewohnten Altbauten. Durch monatelange Tiefbauarbeiten sind die Häuser abgesunken und mitunter große Risse in Wohnungen,Treppenhäusern und Fassaden entstanden. Fenster, Türen und Balkone können zum Teil nicht mehr genutzt werden.

  • In den Häusern Markgrafendamm 6 und 10 warten die Anwohner:innen vergeblich seit Monaten auf Informationen, ob und wann diese Schäden behoben werden. Auch die Frage, ob das Haus Nr. 6 den noch ausstehenden Bohrungen nebenan standhält, bleibt unbeantwortet.

  • Markgrafendamm 10 wurde vom Bauherren vor einigen Jahren bereits aufgekauft. So kann ohne Probleme die Fläche vor dem Haus bebaut oder Fenster der Anwohner:innen zumauert werden.

  • In beiden Adressen sind die Hausverwaltungen unkooperativ und lassen MieterInnen im Stich.

Forderungen und Aufruf

  • Bauen im Bestand kann nur funktionieren, wenn dies behutsam geschieht mit Rücksicht auf die im Kiez lebenden Menschen und bestehende Strukturen. Wir fordern deshalb Nachverdichtung ohne Vernichtung. Dieses Bauprojekt löst keine Not, es ist Teil des Problems!

  • Wir möchten das Schadensgutachten einsehen, was durch das Unternehmen Quarterback angefertigt wurde. Wir wollen wissen, was mit unserem Haus und in unserer Nachbarschaft passiert!

  • Wir sind gegen rein profitorientiertes, inhumanes und unsoziales Bauen sowie Gentrifizierung wie im Markgrafendamm! Die Wohnungsnot von Studierenden wird hier gnadenlos ausgenutzt – auf dem Rücken der Anwohner:innen.

  • Kundgebung am Samstag, den 3. Juni ab 14.00 Uhr vor der Baugrube am Markgrafendamm 7-10. Wir wollen aufmerksam machen auf die inzwischen sehr prekäre Lebensrealität im Kiez und unseren Nachbar:innen. Kommt vorbei und werdet laut gegen skrupellose Bauprojekte. Helft uns im Kampf um unsere Wohnungen! Denn: International Campus, euer Neubau ist unser tagtäglicher Alptraum! Rettet unsere Häuser!

Gedenkkundgebung: 16.02.2023 – 17:30 Uhr Mildred-Harnack-Str. (10243, S+U Warschauer Straße)

Am 16. Februar 1943 wurde Mildred Fish-Harnack im Zuchthaus Plötzensee durch „Enthauptung“ ermordet. 80 Jahre später wollen wir der antifaschistischen Widerstandskämpferin gedenken, die eine zentrale Rolle in der Roten Kapelle gespielt hat.

 

Wir wollen mit der Kundgebung an dieses weitverzweigte Netz von Gegner*innen des Naziregimes erinnern, das in der Nachkriegszeit in der BRD als Spionagegruppe für die Sowjetunion weiterhin ausgegrenzt wurde, während alten Nazis die Integration in den Vorläufer des BND, die „Organisation Gehlen“, gelang.  Die vielfältigen Widerstandsaktionen der Roten Kapelle wurden verleugnet. Schließlich wollen wir mit Mildred Harnack an die bedeutende Rolle der Frauen im Widerstand gegen den NS im Allgemeinen und in der Roten Kapelle im Besonderen erinnern.

 

Mildred Fish-Harnack wurde am 16.9.1902 in Wisconsin/USA geboren. An der Universität lernte sie ihren späteren Ehemann Arvid Harnack kennen, mit dem sie 1929 nach Deutschland zog und der ebenfalls als Mitglied der Roten Kapelle bereits am 22.12.1942 in Plötzensee hingerichtet wurde.

 

Wir gedenken Mildred Fish-Harnack als Kämpferin, die sich entschieden hatte, dem NS-Regime Widerstand zu leisten. Sie und ihre Mitkämpfer*innen sind für uns heute Inspiration, die Erinnerung an sie ist uns antifaschistische Verpflichtung.

Gedenkkundgebung: 16.02.2023 – 17:30 Uhr Mildred-Harnack-Str. (10243, S+U Warschauer Straße)

Die legendären „Blumenstraßenkrawalle“ erschütterten im Juli 1872 das heutige Friedrichshain. Auslöser des mehrtätigen Aufruhrs waren die Zwangsräumung einer Tischlerfamilie und der Abriss einer Barackensiedlung. Tausende Mieter*innen beteiligten sich, hunderte wurden verletzt und verhaftet, dutzende zu teils langen Haftstrafen verurteilt. Die Blumenstraßenkrawalle gehören zu den ersten dokumentierten Protesten gegen miserable Wohnverhältnisse, Mietwucher und Willkür auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Es war die Zeit der Industrialisierung, im selben Jahr schrieb Friedrich Engels seine bekannte Artikelserie „Zur Wohnungsfrage“. Heute, 150 Jahre später, erinnert im Viertel zwischen Ostbahnhof und Strausberger Platz nichts mehr an dieses Ereignis. Wir begeben uns auf Spurensuche.
Kiezspaziergang, 24.07.2022, 15.00 Uhr, Andreas-/Ecke Singerstr.

Es rufen auf:

Berliner MieterGemeinschaft e.V. – Bezirksgruppe Friedrichshain
Wem gehört der Laskerkiez?
Wir bleiben alle Friedrichshain
Berlin vs. Amazon

 

Quelle: https://kontrapolis.info/7642/

Demonstration gegen Gentrifizierung am 9.7. um 15 Uhr
Start: Amazon-Tower // Ubhf Warschauer Straße
Ende: Laskerwiese // Bödikerstraße 
Berlin 2022: Die Gentrifizierung schreitet unablässig voran
Investor*innen, Konzerne und Reiche nehmen sich das, was allen gehört: Kultur, Gewerbe, Wohnraum. Das lassen wir uns nicht länger gefallen! Deswegen demonstrieren wir gegen den Ausverkauf der Stadt: Gegen die Umgestaltung des RAW-Geländes! Gegen den Amazon-Tower. Gegen den Bau von überteuerten Mikro-Apartments für Studierende und die gleichzeitige Verdrängung von Anwohner*innen! Gegen die Schließung der „Zukunft am Ostkreuz“ für unnötige Bürogebäude! Gegen die Verlängerung der A100!
Geht mit uns auf die Straße und macht deutlich, wem die Stadt gehört: Uns!
 
Nicht nur berlinweit merken Mieter*innen, dass die Heilsversprechen der Politiker*innen hohle Phrasen sind. Auch Rot-rotgrüne Politiker*innen sind nicht in der Lage, die massiven Probleme, die die kapitalistischen Umtriebe auf dem Wohnungsmarkt mit sich bringen, in Zaum zu halten. Luxusbauprojekte werden nahezu an jeder Ecke hochgezogen, nach wie vor gibt es viele Eigenbedarfskündigungen, Luxusmodernisierungen und Zwangsräumungen. Auch wenn Berlin als die Hauptstadt der Mieter*innenproteste gilt, leisten zu wenige Widerstand. 
Im ehemaligen Arbeiter*innenbezirk Friedrichshain sind viele Kieze fast vollständig durchgentrifiziert. Einige Straßenzüge und Kieze wurden von dieser Entwicklung noch nicht vollständig ergriffen, wie z.B. der Laskerkiez und der Rudolfkiez nahe der Modersohnstraße. Im Jahr 2022 werden aber auch hier Fakten geschaffen: Das Unternehmen Pandion errichtet an der Laskerstraße mit dem Ostkreuz Campus seinen ganz eigenen neoliberalen feuchten Traum. Ein hässliches mehrstöckiges Luxusbürogebäude in dem die zukünftigen Startup-Arbeiter*innen während der Arbeit „Spaß und Freizeit“ erwartet und sie mit Fahrrädern durch ihre Büroräume kurven können. Das alles füllt natürlich die Kassen des Millionenunternehmens Pandions und trifft die Nachbar*innen und Anwohner*innen der umliegenden Straßenzüge. Es ist klar, dass der Ostkreuz Campus die Mieten erhöhen und Gentrifizierungsprozesse massiv verschärfen wird, weshalb es konstant Widerstand von Anwohner*innen gibt. 
Ein paar Meter weiter wird die linke Kulturbar „Zukunft am Ostkreuz“ verdrängt. Hier konnten Nachbar*innen zu fairen Preisen Kino, Theater, Jazz, Konzerte und Veranstaltungen besuchen. Nun soll die Zukunft gehen, denn direkt nebenan möchte das Unternehmen „Trockland“ das Luxusbüroprojekt „A Laska“ errichten. Am Markgrafendamm baut das Unternehmen „International Campus“ ein gigantisches Mikro-Apartment-Projekt unter dem Titel „THE FIZZ“. Die günstigsten möblierten Zimmer werden dort ab 750 – 800 Euro pro Monat vermietet, laut Bauherrn an Studierende – die natürlich reiche Eltern brauchen. Das Unternehmen geht perfide vor: Ein angrenzendes Wohnhaus wurde kurzerhand aufgekauft, die Fenster der Bewohner*innen zugemauert und das Projekt sogar bis vor deren Wohnungstür vorangetrieben. Vorher hatten die Bewohner*innen dort einen dicht bepflanzten Parkplatz mit einer über 70-jährigen Kastanie – nun baut das Unternehmen 3 Jahre lang mit massivem Baulärm den Parkplatz zu, der Baum wurde bereits gefällt. 
An der Spree wird die letzte Ecke neben der Elsenbrücke bebaut – dort errichtet das Unternehmen RFR Development ebenfalls Luxusbüros. Ob Nachbar*innen nach der Errichtung noch freien Zugang zum Spreeufer haben, ist fragwürdig. 
Auch ein paar hundert Meter außerhalb des Laskerkiez sieht die Stadtentwicklung düster aus: An der Warschauer Straße wird in einer beunruhigenden Geschwindigkeit am EDGE Tower gewerkelt, in dem Amazon mit zig Büros vertreten sein wird. In der unmittelbaren Nähe steht bereits die Gentrifizierung und Luxusbebauung des ehemals subkulturell geprägten RAW-Geländes in den Startlöchern. Lokale Politiker*innen sind machtlos. Da kann ein grüner Baustadtrat noch so viele Bücher mit großspurigen Titeln wie „Wir holen uns die Stadt zurück“ schreiben. Im Fall vom EDGE Tower und dem RAW-Gelände versuchen Politiker*innen lediglich noch „das Schlimmste abzuwenden“ in dem Verträge geschlossen werden, so dass zumindest kleine Teile der Bauprojekte eine öffentliche Nutzung vorsehen. Im Fall der massiven Gentrifizierung des Laskerkiez waren sie nicht mal mehr im Stande den widerlichen Bauprojekten, die die Zukunft dieser Kieze besiegeln werden, überhaupt etwas entgegenzusetzen. Davon, dass „Wir“ uns die Stadt zurückholen, ist in Friedrichshain weit und breit nichts zu merken – es sei denn, dass dubiose „Wir“ steht für die kapitalstarken Unternehmen, die ihre rücksichtlosen Bauprojekte mit unerbittlicher Härte gegen den Willen von Anwohner*innen vorantreiben. 
In Lichtenberg wurde das gigantische Betrugsprojekt „Coral World“, ein großer Hotelkomplex, der dem Bezirk vorher noch als Aquarium und Bildungsstätte verkauft wurde, sogar mit den Stimmen der lokalen Linkspartei-Fraktion beschlossen. Dafür wurde im letzten Jahr das größte selbstverwaltete Wohnungslosen-Camp Deutschlands in einer nächtlichen Aktion, die heuchlerisch als „Kältehilfe“ deklariert wurde, geräumt. Das Kapital schafft überall Fakten, meist mit Unterstützung ihrer willigen Helfershelfer in Politik und Ämtern. 
Gegen all diese Missstände müssen wir aktiv werden. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass uns solch eine Stadtrückentwicklung von den Herrschenden als „alternativlos“ verkauft wird. Wir müssen laut und widerständig sein und der Politik und den Unternehmen zeigen, dass wir als Bewohner*innen dieser Kieze, Eigenbedarf haben. Wir wollen hier wohnen bleiben und unsere Nachbar*innenschaft und unsere Freiflächen selber gestalten. Dafür möchten wir am 9. Juli mit euch gemeinsam auf die Straße gehen und ordentlich Druck machen: für eine Stadt von unten! 
Die Politik und Unternehmen mögen noch so fleißig an einer Stadt der Reichen werkeln, doch wir werden das auf keinen Fall kampflos hinnehmen. 
Amazon, Pandion, Kurth-Gruppe, Coral World, IC Campus, Trockland und Co – Verpisst euch aus unseren Kiezen! Es sind unsere und nicht eure!
Demonstration gegen Gentrifizierung am 9.7. um 15 Uhr
Start: Amazon-Tower // Ubhf Warschauer Straße
Ende: Laskerwiese // Bödikerstraße 

Am 22. April erinnerten in Berlin-Friedrichshain Stadtteilinitiativen gemeinsam mit der VVN-BdA an die vergessenen Kämpfer*innen der Kampfgruppe Osthafen und schrieben so die Widerstandsgeschichte weiter

„Der Krieg was vorbei, da war Stille im Land,

da waren die Lautesten leis,

sie nahmen das Hitlerbild von der Wand,

ihre Westen, die wuschen sie weiß.“

Aus Song: 3 Rote Pfiffe, Schmetterlinge

Diese Stille im Land verschlang auch die wenigen Antifaschist*innen, die aus einer Position der absoluten Minderheit dabei halfen, den Nazikrieg in letzter Minute zu beenden. Dazu gehörte auch Paul Schiller. Für ihn organisierten am 22. April 2022 die VVN-BdA und die Stadtteilinitativen „Wir bleiben alle Friedrichshain“ und „Wem gehört der Laskerkiez?“ eine Gedenkveranstaltung und hoben ihn aus dem Dunkel der Geschichte. Es war einem Zufall zu verdanken, dass Mitglieder der Stadtteilinitiative auf einen Stolperstein stießen, den die „Verfolgten des Naziregime“ (VdN), der DDR-Organisation der Widerstandskämpfer*innen, am ehemaligen Wohnort von Paul Schiller in der Rochowstraße in Berlin-Friedrichshain gestalten ließen, allerdings mit einen falschen Datum. Dort wird seit Todestag irrtümlich um ein Jahr auf 1944 vorgelegt. Dabei wird das Entscheidende der Widerstandstätigkeit von Schiller und Genoss*innen verkannt, die in den letzten Tagen des NS-Regimes verhindern wollten, dass weitere Menschen sterben. Die Männer und Frauen, die vor allem Süden des Berliner Stadtteils Friedrichshain Ende April 1945, also vor 87 Jahren aktiv waren, nannten sich Kampfgruppe Osthafen, nach einem damals bekannten Hafengelände in dem proletarischen Gebiet. Sie setzte sich aus Mitgliedern der KPD, der SPD und Parteilosen zusammen, die im Nationalkomitees »Freies Deutschland« organisiert waren. Sie sprangen mit dem Fallschirm hinter den deutschen Linien und erhielten die Aufgabe, in der Reichshauptstadt wichtige militärische Objekte zu erkunden und Kontakte zur deutschen Widerstandsbewegung herzustellen, sowie Menschen, in letzter Minute zu überzeugen, die Seiten zu wechseln und nicht weiter für einen verbrecherischen Krieg ihr Leben zu lassen.

Deutsche Volksgemeinschaft bis zur letzten Minute

Doch sie trafen weiter auf ein Land, in dem die deutsche Volksgemeinschaft bis in die letzten Tage des NS-Regimes funktionierte. Daher waren sie sofort in großer Gefahr. Eine Gruppe, darunter der Sozialdemokrat Heinz Nawrot, geriet am 11. April 1945 in Lichtenberg in eine SS-Kontrolle und wurde in einem Feuergefecht am Weißenseer Weg völlig aufgerieben. Paul Lampe und Heinz Müller, Ende Februar 1945 mit einer Einsatzgruppe des Nationalkomitees »Freies Deutschland« illegal nach Berlin gekommen, organisierten im Stadtbezirk Friedrichshain die bewaffnete Kampfgruppe Osthafen, der rund 50 kommunistische und sozialdemokratische Genoss*innen sowie parteilose Antifaschist*inne angehörten. Von ihrem Stützpunkt in der Stralauer Allee 24 entwaffneten sie fanatische Nazis, überredeten deutsche Soldat*innen und Flakhelfer*innen dazu, die Waffen niederzulegen. Sie sprengten faschistische Munitionslager und verhinderten im letzten Augenblick die Zerstörung der großen Lebensmittelmagazine am Osthafen. Bei einer solchen Aktion ließen die Antifaschisten Fritz Fieber und Paul Schiller am 23. April 1945 ihr Leben. Darüber gab es in der DDR einen Bericht von einen der Überlebenden, der in dem 1975 im Dietz-Verlag veröffentlichten Buch „Kampftage in Berlin- Ein deutscher Antifaschist und Internationalist berichtet“ abgedruckt ist. Daraus wurde während der Gedenkveranstaltung Auszüge vorgelesen wurden. Sehr berührend beschreibt der Autor den Moment, als er vom Tod seiner beiden Mitstreiter erfuhr:

„Genosse Schiller lag leblos auf der Couch. Wir fühlten seinen Puls und bemühten uns, seinen Herzschlag zu hören. Vergeblich. … In diesen Minuten verspürte ich die Schwere der Verantwortung, die auf uns lastete, besonders deutlich. Ich blickte in die Gesichter der beiden Genossen und dachte: Zwölf Jahre haben sie in Not und Gefahr ihrer Partei die Treue in de Bewusstsein gehalten, dass der Tag der Befreiung kommen wird. Wieviel Hoffnung haben die Genossen darauf gesetzt, an diesem Tag mit dabei sein zu können“.

Warum Paul Schiller heute noch gedenken?

„Ihr, meine Enkel, was hört ihr so stumm

die alten, die kalten Berichte?

Jetzt trampeln sie wieder auf euern Rechten herum –

erinnert euch meiner Geschichte!“

Aus Song: 3 Rote Pfiffe, Schmetterlinge

Auf der Veranstaltung gingen Redner*innen auch auf diese Frage ein. Sie nannten Gründe, warum seine Geschichte nicht zur staatsoffiziellen Erzählung geronnen ist. Mit Genoss*innen wie Paul Schiller konnte man keinen Staat machen. Anders als die Männer des 20. Juli, denen heute offiziell besonders gedacht wird, haben Schiller und seine Mitstreiter*innen ihren Kampf gegen den NS nicht erst begonnen, als klar war, dass dieser den Krieg verloren hat. Viele von ihnen wußten bereits vor 1933 „Wer Hitler wählt, wählt Krieg“. Genau deshalb ist so wenig von den Mitgliedern der Kampfgruppe Osthafen bekannt, die unter Einsatz ihres Lebens mit dazu beitragen wollten, dass der NS besiegt wird. Es ist aber auch ein positives Zeichen, dass mit Menschen wie Paul Schiller eben kein Staat zumachen ist, wurde in einem Redebeitrag betont.

Seine und die Geschichte seiner Mitkämpfer*innen kann nur erzählt werden von sozialen Bewegungen, von linken Aktivist*innen, die hier und heute gegen die alle Formen von Faschismus, Nationalismus, Antisemitismus aktiv sind, die in den kapitalistischen Zumutungen, denen wir heute ausgesetzt sind, nicht das Werk „böser Kapitalisten“ sondern das Wirken des kapitalistischen Wertgesetzes erkennen. Deshalb hatten die beiden Stadtinitiativen die Initiative für die Ehrung von Paul Schiller ergriffen und damit auch das Wirken der Kampfgruppe Osthafen wieder dem Dunkel der Geschichte entrissen. Sie wollen auch in den nächsten Jahren weiter dazu beitragen, diese Geschichte weiterzuschreiben. Zu den konkreten Forderungen gehört ein Gedenkort für Schiller und die antifaschistischen Kämpfer*innen der Kampfgruppe Osthafen und eine Korrektur der Daten auf dem Stolperstein von Paul Schiller. Zudem könnte weiteren Mitkämpfer*innen wie der Arbeiterin, Gewerkschaftlerin und Kommunistin Gertrud Lewke gedacht werden, die ebenfalls Teil der Kampfgruppe Osthafen war.

Peter Nowak

Komma Klartext-
Küfa, Mucke und Aktion gegen Verdrängung am 21.04.
Die Areale zwischen Modersohnbrücke, Ostkreuz und der Rummelsbucht sind mit massiver proftgetriebener Aufwertung konfrontiert. Veranstaltungsorte und Freiräume drohen verlorenzugehen, oder sind schon verschwunden. Stattdessen kommen triste Büroareale und Apartments für Studierende mit reichen Eltern. Der kulturelle Totalschaden droht auch durch den extremistischen Automobilismus. Die A100 scheint durchgezogen zu werden. Die Club-Kultur in den Kiezen ist davon erheblich betroffen.                                                                                                                                                                                                                                                                           
– Aktive der betroffenen Orte sprechen über die aktuelle Situation und die Bauvorhaben in den Kiezen
– Welchen Beitrag leistet die Nachbarschaft gegen den Ausverkauf unserer Freiräume?
– Im anschließenden Zine-Workshop könnt Ihr propagandistisch aktiv und kreativ werden.
– Danach gibt es Mucke bis in den frühen Morgen von den Allstars des Komma-Kollektivs.
Alle Interessierte sind herzlich eingeladen, zu Küfa, Gespräch, Mucke und Aktionsworkshop am Markgrafendamm zusammenzukommen. Leitet die Veranstaltung gerne weiter. 
Wann? 21.04. ab 19:30
Wo? An einer kleinen Oase am Markgrafendamm am Ostkreuz. Das Event ist eine private Veranstaltung. Wir sagen euch Bescheid, wo es hingeht. (Wenn ihr genau wissen wollt, wo – Mail an keinostkreuzcampus@riseup.net)
Das ist noch wichtig.
Es gibt keine Corona-Beschränkungen mehr für Clubbesuche. 
Aber: Um euch und uns weiterhin zu schützen, bitten wir euch jedoch alle lieb und dringend: Bitte testet euch vor eurem Besuch. Bitte bleibt zu Hause, wenn ihr euch krank fühlt. Und Bitte tragt Maske, wenn euch das möglich ist.

Der Laskerkiez in Friedrichshain war seit jeher ein klassisches Arbeiterviertel, in dem die Nazis es während des 2. Weltkriegs nicht leicht hatten. Hier leisteten auch Menschen aus unserem Kiez Widerstand gegen den Naziterror. Am 22. April wollen wir uns näher mit einer dieser Personen beschäftigen und ihm für seine mutigen Taten danken. Er musste seinen Widerstand mit dem Leben bezahlen.

Am 23.4.1945 erreicht die 1. Belorussische Front der Roten Armee den S-Bahn-Ring in Lichtenberg und rückt ins südliche Friedrichshain vor. Die Befreier müssen sich von Haus zu Haus den Weg frei schießen, denn immer noch kämpfen die überzeugten Nazis für die Hitler-Diktatur.
Das ist umso mehr Grund für uns, an die wenigen, die den Nazis Widerstand leisteten, zu erinnern und sie zu ehren: Einen Tag vor Ankunft der Roten Armee, am 22.4.1945 kommen Fritz Fieber und Paul Schiller, zwei Mitglieder des Kommunistischen Widerstands, in Friedrichshain durch Granatbeschuss durch die SS ums Leben.

Ihrer „Kampfgruppe Osthafen“ war es gelungen, Munitionsdepots, eine Telefonkabelanlage und einen bemannten SS-LKW zu sprengen. Sie trafen sich in den Kellerräumen von Paul Schiller am Osthafen.
Paul Schiller lebte in der Stralauer Allee, vor der Hausnummer 24 ist ein Stolperstein für ihn eingelassen. Sein Leben und sein Tod sind uns Mahnung, die Erinnerung daran soll uns Verantwortung sein. Wir möchten euch daher einladen, mit uns zusammen am 22.4.2022 gemeinsam diese Erinnerung zu begehen. Wir treffen uns am Rudolfplatz zum Gedenken an den antifaschistischen Widerstand und wollen anschließend zu seinem Stolperstein spazieren, um dort Blumen niederzulegen.

Gedenkkundgebung an Paul Schiller: 22.04.2022 – 18 Uhr – Rudolfplatz (10245)

Veranstaltet von „Wem gehört der Laskerkiez“, VVN-BdA, Wir bleiben alle F’hain

Liebe Student*innen, liebe Engagierte der AStA,

wir sind eine Nachbar*inneninitiative, die sich gegen Verdrängung im Laskerkiez und südlichem
Friedrichshain einsetzt. Heute möchten wir euch gern auf ein Bauprojekt am Markgrafendamm
hinweisen, mit dem wir uns zurzeit intensiv beschäftigen und das auch eure politische Arbeit betrifft:
Das Unternehmen International Campus GmbH, nach eigener Auskunft ein „führender Entwickler
und Betreiber von Konzepten für studentisches und urbanes Wohnen in Europa“, hat in unserer
Nachbarschaft von der Quarterback Immobilien AG das Grundstück am Markgrafendamm 7 – 10
gekauft. Entstehen sollen dort auf knapp 15.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche über 350
Apartments mit rund 380 Betten, „großzügige“ Gemeinschaftsflächen und Gemeinschaftsküchen,
eine Co-Working Lounge, ein Gaming Room und Außenanlagen. Bereits im März 2022 sollen die
Bauarbeiten starten und die Fertigstellung ist für Sommer 2025 geplant.
Rainer Nonnengässer, Executive Chairman der international Campus Group hierzu: „Gerade in Berlin
mangelt es signifikant an Wohnraum für Studierende und junge Menschen und die Lücke wird
perspektivisch noch größer. Deshalb freuen wir uns, unserem Standort [The Fizz] an der Köpenicker
Straße in Kreuzberg, den wir bereits 2014 eröffnet haben, einen zweiten in Friedrichshain
hinzuzufügen, der noch einmal deutlich größer ausfällt.“ (
https://www.quarterbackimmobilien.com/blog/quarterback-verkauftstudentenwohnprojektin-berlin-friedrichshain-the-fizz/ zuletzt abgerufen 4.3.2022)
Wer sich jedoch über die geplanten Mietpreise informiert, merkt schnell, dass sich hier Bedarfe und
Wirklichkeit unvereinbar gegenüberstehen! Für 17 Quadratmeter werden 760 Euro monatlich
verlangt, für 30 – 32 Quadratmeter hingegen schon über 1050 Euro. Preise, die sich Menschen
während ihrer Studienausbildung einfach nicht leisten können. Dennoch bewirbt die FU aktiv auf
ihrer Internetseite The Fizz – ähnlich wie bei den Projekten Neon Wood und The Student Hotel – als
besonderes Angebot für „internationale Austausch- und Programmstudierende und auch
immatrikulierte internationale Doktorand/Innen der Freien Universität Berlin“. Exklusiv werden auf
sechs Monate befristete Mietverträge zur Verfügung gestellt, für die auch noch zusätzlich eine
Servicegebühr in Höhe von 395 Euro gezahlt werden muss! (Quelle:
https://www.fu-berlin.de/sites/unterbringung/optionen-programmstudenten/THEFIZZ/
index.html
)
Was International Campus nicht erzählt:


Was Nonnengässer und seine International Campus hier planen ist nichts weiter als eine
Ausbeutung von Studierenden, denen völlig überteuerter Luxuswohnraum zu Preisen von 40
Euro/qm „angeboten“ wird. Offenbar richtet sich das Projekt vornehmlich an internationale
Studierende, die den hiesigen Wohnungsmarkt und seine Fallstricke nicht kennen. Hier
werden Mietpreise auf Kosten von Menschen mit geringem Einkommen bzw.
Sprachbarrieren künstlich in die Höhe getrieben.


Das Projekt wird zusätzlich katastrophale Auswirkungen auf die Nachbar*innenschaft mit
sich bringen. Luxusapartments zählen mit in die Berechnung des Mietspiegels und die
veranschlagten Quadratmeterpreise werden diesen für den gesamten Kiez enorm in die
Höhe treiben.

Wenn International Campus den bestehenden Mangel an Wohnraum für Studierende und
junge Menschen hervorhebt, vergessen sie zu erwähnen, dass Unternehmen und
Bauprojekte wie diese maßgeblich mit für diese Schieflage verantwortlich sind. Mieter*innen
eines Hauses im Markgrafendamm, das von International Campus gekauft wurde, berichten,
dass der Eigentümer in ihrem Haus für mehrfachen Leerstand verantwortlich ist – statt
bezahlbaren Wohnraum anzubieten, wird dieser spekulativ dem Wohnungsmarkt entzogen!

Wir werden dieses Projekt nicht stillschweigend hinnehmen – und auch ihr solltet das nicht tun!
International Campus kooperiert mit der Freien Universität Berlin sowie Unternehmen. Wir fordern
den Stopp des Bauvorhabens und setzen uns aktiv gegen die Machenschaften des skrupellosen
Unternehmens „International Campus“ ein.


Gemeinsam für bezahlbares Wohnen!

Kontakt: keinostkreuzcampus@riseup.net

 

 

Quellen: https://www.quarterback-immobilien.com/blog/quarterbackverkauftstudentenwohnprojektin-berlin-friedrichshain-the-fizz/
https://www.fu-berlin.de/sites/unterbringung/optionen-programmstudenten/THEFIZZ/
index.html

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